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Köcherfliegen


In Europa komen etwa 900 Arten von Köcherfliegen vor, davon über 300 Arten in Deutschland und über 200 in Rheinland-Pfalz, die teilweise schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Köcherfliegen haben vier Flügel. Sie sehen mottenartig aus, jedoch im Gegensatz zu kleinen Schmetterlingsarten tragen ihre Flügel keine Schuppen, sonder Haare, worauf der lateinische Name Trichoptera auch hinweist. Ihre Fühler sind halb bis über doppelt so lang wie ihre Flügel und fadenförmig. Erwachsene Köcherfliegen nehmen ihre Nahrung leckend auf, haben aber, anders als Schmetterlinge, keinen Saugrüssel. Köcherfliegen sind dämmerungs- und nachtaktiv.



Köcherfliegen im Bereich von Quellen und Quellbächen (von links nach rechts, Wiedergabe nicht maßstabsgerecht): Apatamia sp., Beraea sp., Crunoecia irrorata,2. Reihe: Plectrocnemia sp., Rhyacophila sp., Parachiona sp..

Larven von Köcherfliegen


Köcherfliegenlarven auf einem von Quellwasser überspülten Stein.

Die Larven der Köcherfliegen entwickeln sich bis auf eine Ausnahme im Wasser, meist in Bächen. Sie bauen um ihren Hinterleib einen Köcher. Dieser schützt sie und beschwert sie, was im Fließgewässer von Vorteil ist, um nicht abgetrieben zu werden. Zum Köcherbau verwenden die Larven Materialien aus dem Gewässer: Laubstückchen, Sand, Moos oder kleine Steinchen. Sie kleben die Teile mit einem Sekret, das zu einem Spinnfaden erhärtet, zusammen. Wenn die Larven wachsen, vergrößern sie ihren Köcher am vorderen Rand. Für manche Köcherfliegenarten sind Baumaterial und Köcherform charakteristisch. Es gibt auch Larven von Köcherfliegen, die keinen Köcher bauen.

Köcherfliegenlarven ernähren sich von organischem Material, sie fressen Bewuchs auf Steinen, Falllaub und Ähnliches. Es gibt auch räuberische Arten.

Manche Köcherfliegen bauen Netze, um ihre Beute zu fangen.

Die Larven häuten sich etwa fünf mal, bevor sie sich im Köcher verpuppen. Die Fliege schlüpft aus dem festgehefteten Köcher und klettert aus dem Wasser oder lässt sich hinaustreiben.

Quellköcherfliege


Foto: H. Schindler

Die Larve der Quellköcherfliege Crunoecia irrorata lebt vorzugsweise  in den Moospolstern und durchnässten Falllaubstapeln in Quellbereichen. Sie baut sich aus Laubstückchen ihren charakteristischen vierkantigen Köcher. Er wird etwa 8 mm lang. Für den Köcherbau verwendet Cruenocia in den ersten Larvenstadien kleine bis mittelgroße Sandkörner, die sie zu einer Röhre verkleben. Von innen ist die Röhre mit feinen Spinnfäden ausgekeidet. Ab dem 5. Larvenstadium sucht die Larve pflanzliche Baustoffe, die sie zu einem vierkantigen Köcher zusammenfügt. Dabei schrägt sie die Bauteile nach innen ab, so dass sie in zusammenpassen. Von innen wird der Köcher mit Spinnseide ausgekleidet, die eine runde Röhre um den Hinterleib der Larve bildet. Die Entwicklungszeit der Larve dauert 2 Jahre. Als Nahrung nimmt Crunoecia in den ersten Larvenstadien Algenaufwuchs von Steinen und Blättern zu sich, sowie organische Bestandteile aus der Umgebung (Detritus). Später frisst die Larve auch Falllaub.

Die Larve atmet über die Haut und über Tracheenkiemen, die ab dem zweiten Larvenstadium ausgebildet werden.

Zur Verpuppung wird der Köcher verschlossen. Nach 2 - 3 Wochen schlüpft die etwa 7 mm große Köcherfliege, die relativ lange lebt (etwa 5 Monate) und von Mai bis September fliegt.

 


Crunoecia irrorata (Zeichnung: C. Faltermayr)

Verwechslungsmöglichkeiten: Es gibt noch eine Köcherfliegenart (Lepidostoma hirtum), die einen vierkantigen Köcher baut. Die Art kommt aber erst weiter bachabwärts und nicht in der Nähe von Quellen vor.  Ihre Köcher werden erheblich größer.

Literatur: Laukötter, Gerhard: CRUNOECIA IRRORATA Portrait einer Köcherfliege der Quellen. Crunoecia 2 (1993)

Köcherfliege Beraea maura


Foto: H. Schindler

Die Larve von Beraea maura ist eine typische Bewohnerin von Quellbächen. Sie baut ihren Köcher aus Sandkörnern. Er wird etwa 1,5 cm lang und ist etwas gebogen. Auf dem Foto erkennt man die fein zusammengefügten Sandkörner.


Zeichnung: C. Faltermayr





Das Projekt "Wasserläufer" wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Denn der Schutz für typische natürliche Gewässerlebensräume in unserer Region ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt. Informationen über das Bundesprogramm finden sich unter www.biologischevielfalt.de




Mit Unterstützung durch das Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz (MULEWF)



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